
Ich geh‘ entdecken
Die Skulptur
am Rudolfskai
Manfred Wakolbinger sorgte 2011 für überraschte Gesichter, als er für sein Kunstprojekt in Salzburg ausgerechnet ein vernachlässigtes Uferstück am Rudolfskai auswählte – einen Ort, den viele als „Unort“ bezeichneten. Gerade deshalb sah er dort die Chance für eine ästhetische Intervention, die Raum neu denkt und belebt.

Mit „Connection“, einer rund elf Meter langen Skulptur aus poliertem Edelstahl, gelang ihm genau das: Die organisch geschwungene Form setzte einen neuen Mittelpunkt, wertete das Umfeld sichtbar auf und entwickelte sich über die Jahre zu einem beliebten Treffpunkt. Die Arbeit, heute eine Leihgabe der Würth-Gruppe an die Stadt, steht exemplarisch für Wakolbingers Verständnis von Kunst im öffentlichen Raum: Sie soll Dialog stiften, Wahrnehmung verschieben und positiv auf das städtische Leben einwirken.
Die Skulptur spielt mit Gegensätzen – außen hermetisch, innen verspiegelt und funkelnd – und thematisiert das Zusammenspiel von Innen und Außen, von Stadt und Mensch. Zwei gefäßartige Öffnungen markieren Ein- und Ausgang und laden dazu ein, hindurchzugehen, sich zu spiegeln und buchstäblich Teil des Werkes zu werden. Wakolbinger überträgt damit die Spannung zwischen der historisch gewachsenen, beinahe musealen Altstadt und den Menschen, die sie beleben, direkt auf seine Form. „Connection“ versteht sich als Bindeglied, als poetische „Störung“, die Räume neu definiert und die Frage stellt, wie Kunst und Leben zusammenfinden.
Die Location | Obwohl der Installationsort nicht sehr repräsentantiv erscheint wollte Manfred Wakolbinger genau hier ästhetisch stören und aufwerten.
„Connection“
Von Manfred Wakolbinger für das Projekt Kunstprojekt Salzburg der Salzburg Foundation umgesetzt.
Manfred Wakolbinger
Manfred Wakolbinger (*1952) ist ein österreichischer Bildhauer und Fotograf, der aus einer Ausbildung in Metallbearbeitung und Werkzeugbau seinen Weg in die Kunst fand. Gemeinsam mit seiner Frau Anna Heindl begann er in den 1970er-Jahren mit Schmuckdesign, besuchte Seminare bei Bazon Brock und entwickelte sich ab 1980 – weitgehend autodidaktisch – zur eigenständigen künstlerischen Position. Seine Arbeiten umfassen Skulptur, Fotografie und Unterwasserfotografie; sie wurden auf internationalen Ausstellungen gezeigt, darunter Documenta 8 und die Biennale von Venedig, sowie in renommierten Museen wie dem MAK Wien, dem Lentos Linz oder dem Museum Küppersmühle. Wakolbinger lebt und arbeitet in Wien und Niederösterreich und wird 2025 mit dem Kulturpreis des Landes Oberösterreich ausgezeichnet.
Seine großformatigen Skulpturen aus Edelstahl und Kupfer sind organisch geschwungene Formen, die zwischen Realität und Illusion spielen und Räume – ob städtische, landschaftliche oder gedankliche – neu definieren. Titel wie Galaxies, Placements oder Mirror geben Hinweise auf die Bedeutungsebenen, in denen sich seine Arbeiten bewegen. Für Salzburg entwickelte er die elf Meter lange Skulptur Connection, installiert am Rudolfskai zwischen Salzach und alter Stadtmauer. Ihr spiegelndes Inneres und die hermetische Außenhaut thematisieren Innen und Außen, Stadt und Mensch, Kunst und Leben. Erst durch die Spiegelung wird der Betrachter Teil des Werks – ein Prinzip, das Wakolbingers prozessorientierte, poetische Bildsprache grundlegend prägt.
Website | manfredwakolbinger.at

Nur so, am Rande
Die Salzburg Foundation
Die Salzburg Foundation war eine 2001 gegründete private Initiative, die ohne öffentliche Mittel bedeutende Projekte der zeitgenössischen Kunst im öffentlichen Raum in Salzburg realisierte – darunter den Walk of Modern Art und die temporären Installationen am Krauthügel.
Website | salzburgfoundation.at
Ziel war es, der Weltkulturerbe-Stadt neue künstlerische Impulse zu geben und einen Dialog zwischen Stadtraum, Architektur und moderner Kunst zu fördern. Finanziert durch Mäzene wie Reinhold Würth und organisiert in Kooperation mit der Stiftung für Kunst und Kultur Bonn, brachte die Foundation über ein Jahrzehnt hinweg international renommierte Künstler nach Salzburg und schenkte der Stadt zahlreiche Skulpturen, die heute den öffentlichen Raum prägen. Der 2024 aufgelöste Verein hinterlässt ein markantes kulturelles Vermächtnis – und die Erinnerung an ambitionierte Projekte, engagierte Debatten und den Versuch, Salzburgs traditionelles Mäzenatentum in die Gegenwart zu führen.